Samstag, 18. Oktober 2008

Etappe A Santiago-Portillo (2)

67 km
Kilometer 80-147

Am naechsten Morgen wache ich voellig geraedert auf. Vom Vortag einen schlimmen Sonnenbrand und meine Oberschenkel schmerzen tierisch. War vielleicht ein bissl viel.

Zunaechst geht es auf der Autopista weiter Richtung Los Andes. Jede Menge Rennradfahrer ueberholen mich heute, es muessen um die 70 sein. Irgendwann faengt die Fahrbahn stark an zu steigen und ich muss nach einer Weile absteigen und schieben. Bin einfach noch nicht im Training. Nach ca. zwei Stunden erreiche ich den Autobahntunnel vor Los Andes. Da der sehr lang, dunkel, windig, steil und eng ist, ist das Fahrradfahren drinnen natuerlich verboten. Es gibt aber einen Service von der hiesigen Autobahnmeisterei: Die Raeder und Pedaleure werden auf einen Van geladen (Foto) und durch den Tunnel verfrachtet. Sehr gut organisiert. Wir sind ca. 30 Biker plus Raeder auf dem kleinen Laster, ein paar nette chilenische Mountainbiker sind auch darunter, sie machen erstmal jede Menge Handyfotos von meinen Bremsen und meinem Tacho, bevor wir in den Tunnel einfahren (Foto).

Nach dem Tunnel geht es tierisch bergab. Die linke Haelfte der Autobahn ist komplett gesperrt. Hier findet gerade eine riesige Prozession Jugendlicher zu irgendeinem kirchlichen Anlass statt. Es sind bestimmt 80.000 oder mehr, denn es dauert gut eine halbe Stunde bis ich trotz hohem Tempo an der Prozession vorbei bin. Unten im Tal droehnt Latin-Ska und -Rock von zig Livebuehnen, hier ist gut was los!

Mendoza und Portillo sind nun ausgeschildert (Foto) und ich nehme die Umgehung um Los Andes herum. Die Strasse faengt wieder an zu steigen und ich bin bald fix und fertig und muss mein Rad schieben. Irgendwo mache ich dann um die Mittagszeit auf einer Wiese Pause und lege mich in den Schatten, denn ich merke: Ich muss aus der Sonne raus (Foto), obwohl ich schon 2x meinen ultrastarken Sunblocker benutzt habe (wie ich spaeter feststellen muss vergesse ich die Nase - sie ist noch Tage spaeter voller Brandblasen und am Pellen). Ich schlafe eine Zeit und als ich aufwache geht es erstmal wieder.

Irgendwann erreiche ich den Scheitelpunkt und es geht wieder abwaerts. Ich komme zum noerdlichen Ortsausgang von Los Andes, wo ich mir erstmal eine kalte Cola und ein Eis goenne. Der junge Mann der mich bedient spricht erstaunlich gut Englisch und kennt sich auch in Deutschland recht gut aus (vom Hoerensagen). Das Eis kuehlt und danach folge ich recht fix der Strasse zum Paso Bermejo.

Hier ist die Steigung noch moderat und ich komme sehr gut vorwaerts. Die Strasse folgt dem Lauf des Rio Aconcagua und das Flusstal ist sehr schoen gruen im Kontrast zu den kahlen Berghaengen. Lediglich der LKW-Verkehr nervt ein bissl, denn die Jungs heizen hier mit brachialer Geschwindigkeit und es gibt keinen Seitenstreifen. Ich muss auch staendig auf Schlagloecher achten. Nach ca. 13km auf dieser Strasse suche ich mir einen Platz zum Campen. Ich finde einen kleinen Sandweg bergauf, nehme mein Gepaeck vom Fahrrad und schleppe alles einzeln ca. 200m den steilen Hang hinauf, wo ich in einer sichtgeschuetzten Ecke mein Lager aufschlage. Das dauert und ist tierisch anstrengend. Ausserdem nerven komische Hummeln, die man nicht los wird und die mir staendig in die Beine stechen.

Nach etwa einer Stunde steht dann alles und ich bin fix und fertig. Meine Fersen sind aufgeschuerft von den Schuhen, meine Fuesse mueffeln ohne Ende, der Sonnenbrand ist schlimmer und auf den verschwitzten, klebrigen Armen und Beinen haftet eine dicke Schicht Staub. Ausserdem steht mein Zelt so abschuessig (es gab hier keinen besseren Platz), dass ich nachts alle Stunde wieder im Zelt hochkrabbeln muss. Dafuer ist dieser Platz absolut abseits, damit sicher und ich habe ein herrliches Panorama (Foto). Und ich kann von hier oben die Eisenbahn sehen, die sich auf der beruehmten alten Strecke zur Kupfermine hochquaelt.

Kommentare:

  1. Hey Addi,

    dass hört sich total spannend an und ist super interessant zu lesen!

    Viel Spaß weiterhin!

    Bist du zzt in Santiago und ist dein Mitfahrer jetzt auch da?

    Ciao Malte

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  2. hey...

    Pass´ ja gut auf dich auf!

    Von mir auch weiterhin viel Spaß!!!

    Ganz liebe Grüße...Meli ;-)

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  3. Hallo Adrian ! Jetzt will ich auch mal dieses Forum nutzen um dir einen Gruß zu schicken. Das liest sich alles sehr spannend was du so schreibst....da bekomme ich auch ein bischen Reisefieber...ich wünsche dir,dass du noch viel Gutes erlebst,nette Menschen kennenlernst,viel Fitness und Kraft zum Radfahren,keine Pannen, Gesundheit und vor allem Gottes Segen
    Lieben Gruß von Mama

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