Samstag, 8. November 2008

Etappe C Imata-Juliaca (1)

77km
Kilometer 592-668

Um 8:30 nehmen wir von Arequipa den Bus nach Juliaca, um dann in Imata auszusteigen und die Tour per Bike zu machen. Krass! Jetzt wo wir mit dem Bus auf 4200m hochgefahren sind, macht sich die Hoehe doch stark bemerkbar. Ich bin voellig ausser Atem und mir ist schwindelig. Ein langsamer Anstieg mit dem Fahrrad oder zu Fuss ist doch praktischer zum Eingewoehnen. Ueberall jagen Windhosen ueber die Ebene, die viel Sand im Gepaeck haben (Foto).

Noch geht es weil die Strecke recht eben ist, als sie aber zu steigen beginnt kriege ich richtig Probleme und sehe fast Sterne. Ich muss schieben, weil ich mich auf dem Rad nicht mehr sicher fuehle, waehrend LKW's und Busse halsbrecherisch vorbei heizen.

Wir sind jetzt immer auf etwa 4500m (Foto), passieren einige Lagunen, manche mit Flamingos, ueberall weiden Lamas, Alpacas, Schafe, Rinder und Esel (Foto). Etwa alle 500m sitzt ein traurig dreinblickender Koeter am Strassenrand. Die tun mir richtig leid. Ob das hier die Strecke zum Hunde aussetzen ist? Einem gebe ich ein Stueck von meinem Wurstbroetchen aber bei den anderen lasse ich das, denn wir haben selber nicht viel mit.

Bisher fuehlte sich Daniel im Gegensatz zu mir topfit, aber nun bekommt er Kopfschmerzen und wird auch etwas langsamer. Ich warte darauf, dass es endlich wieder bergab geht, aber das dauert. Schliesslich kommen wir an eine riesige Lagune, wo wir laenger Pause machen. Doch zieht waehrenddessen Sturm auf und dunkle Wolken und es wird ungemuetlich (Foto).

Bei der Weiterfahrt pustet uns der Seitenwind fast von den Raedern, dann aber geht es mit Rueckenwind und ueber 80 Sachen bergab, nur um dann wieder anzusteigen. Das geht immer so weiter, bis wir endlich die letzte Steigung ueberwunden haben und es nur noch bergab geht bis Santa Lucia. Hoechste Zeit, denn ein dickes Gewitter ist im Anmarsch.

Es gibt ein winziges Hostel im Ort, allerdings darf man hier keinen hohen Standard erwarten. Es ist ein altes Bauerngebaeude und wir benutzen in den Betten lieber unsere Schlafsaecke (Foto). Das Klo kostet selbst im Stehen Ueberwindung. Dafuer ist es billig wie noch nie: Umgerechnet 1,75 Euro pro Person.

Der Wirt fragt mich, aus welchem Land wir kommen. Als er erfaehrt, dass wir aus Deutschland sind sagt er: "Ah, tu presidente es Adolfo Hitler!" - (Euer Praesident ist Adolf Hitler!). Ich versuche ihm zu erklaeren, dass der zum Glueck schon lange tot sei.

Spaeter gehen wir nach Nebenan in ein Restaurant wo auch die Einheimischen essen. Wir sind die Attraktion und alle starren uns an. Karte gibt es nicht, sondern nur das Standard-Abendessen: Eine Nudelsuppe und danach Forelle mit Reis und Kartoffel, dazu Mate. Alles zusammen fuer drei Soles pro Person, das sind 0,75 Euro. Wir sind im nicht-touristischen Hinterland!

Als wir bezahlen wollen deutet die Wirtin auf die 1 Centivo-Muenzen in Daniels Hand und fragt, was das fuer Geld sei. Wir erklaeren der Unglaeubigen, dass es sich dabei um peruanisches Geld handelt. Die Leute hier kennen diese Muenzen nicht, denn ueberall sind die Preise rund. Nur im grossen Supermarkt in der Stadt gibt es Preise wie 1,99 und nur dort bekommt man als Wechselgeld diese Muenzen.

Die Hemmschwelle ist gebrochen, ploetzlich stehen alle um unseren Tisch herum, fragen uns aus und kichern verlegen. Die Leute hier sind, wie sich herausstellt, um einiges netter und offener als die Leute in der Stadt, obwohl wir auch dort nur gute Erfahrungen gemacht haben.

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